Von der Scheiterbeige zum Infoposten

 Im Oktober sind Bauarbeiten der SBB beim Bahnhof Lengwil angelaufen und der Rückbau des „Holzbunkers“ hat begonnen. Die Arbeiten werden durch das Amt für Archäologie begleitet, wobei verschiedene Stadien des Bunkerrückbaus mittels neuen Methoden dokumentiert.

 Der Bahnhof Lengwil wird unter anderem um ein Geleise erweitert und das Perron für eine bessere Ausstiegshöhe angehoben. Der als Scheiterbeige getarnte Infanteriebunker A5684 muss dafür aus Sicherheitsgründen teilweise abgebrochen werden. Bereits im Rahmen der Projektplanung wurde mit der SBB abgesprochen, dass diese Rückbauarbeiten in Etappen erfolgt und jeweils vom Amt für Archäologie dokumentiert werden. Dabei kommen neue technische Mittel zum Einsatz. Bereits vor Beginn der Bauarbeiten wurde vom Bunker mit seiner Holztarnung sowie dem Innenraum ein dreidimensionales Modell mittels Structure-from-Motion erstellt. Bei dieser Methode wird von einer Software aus einer Serie Fotografien anhand eingemessener Passpunkte eine 3D-Punktwolke berechnet. Bei den Messpunkten handelt es sich um direkt auf dem Bunker angebrachte gelbe Markierungen, die vielleicht dem einen oder anderen Besucher bereits aufgefallen sind. Vorteile dieser Methode sind, dass eine Dokumentation vor Ort mit dem systematischen „durchfotografieren“ sowie dem Einmessen der Punkte vergleichsweise schnell erfolgen kann. Zudem können die berechneten 3D-Modelle als Druckvorlagen oder für kleine Animationen weiterverwendet werden.

Die Rückbau- und Dokumentationsarbeiten haben nun begonnen. In einer ersten Etappe wurde im Oktober das Holz um den Bunker entfernt, in einer zweiten zur Verstärkung abgebrachte Steinkörbe und in der letzten – vor einigen Tagen gestarteten – wird der Beton auf der künftigen Perronhöhe gekappt. Im Perron wird der Bunkergrundriss sichtbar bleiben und von einer kleinen Plattform aus bestaunt werden können. Zusätzlich werden Tafeln zur Anlage und zum Festungsgürtel Kreuzlingen informieren.

Recherchen zur Baugeschichte des Bunkers ergänzt durch Beobachtungen an der Anlage selbst haben einige Details zur Baugeschichte deutlich gemacht. So stammt die besondere Tarnung des Bunkers als Holzbeige nicht aus der Bauzeit in den 1940ern, sondern von einem späteren Zeitpunkt. Unter dem Holz war eine Tarnbemalung erhalten und auch auf Luftbildern aus den 1950ern ist der Betonbau deutlich zu erkennen. Weiter ist eine Schiessscharte im Norden zum Vorschein gekommen, die im Innern gründlich verputzt worden ist. Sollte noch jemand über Informationen zu baulichen Anpassungen, Fotos oder Geschichten zum Holzbunker verfügen, nehme ich diese gerne entgegen (simone.benguerel@tg.ch).

Amt für Archäologie

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