Bunkerwanderung am 1. Mai 2017:

Wanderung zu den Orten des Kalten Krieges

Hundert kleine und grosse Interessierte folgten der Einladung unseres Vereins zur Bunkerwanderung, die zu drei interessanten Anlagen im Raum Weinfelden und Umgebung führte.

Bedrohlich schwarze Wolken hingen über dem Südabhang des Ottenberges. Von der Ferne grüssten die noch verschneiten Voralpen und die ersten Regentropfen fielen. Eine Stimmung, die zur diesjährigen Bunkerwanderung des Vereins Festungsgürtel passt. «Typisches Infanteriewetter», lachte der ehemalige Adjutant Unteroffizier René Kradolfer aus Landschlacht und aus einer andern Ecke tönte es: «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur eine schlechte Kleidung». Im Zelt vor dem Schützenhaus «Hau» begrüssten Präsident Josef Bieri und Vizepräsident Urs Ehrbar mit Hilfe des Megaphons die 100 Teilnehmer - ältere Semester, aber auch Eltern und Grosseltern mit ihren Kindern und Enkelkindern, eine Delegation des Vereins  Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal sowie die 35 Helfer. «Sie gehören zu jenen Miteidgenossen, denen das schlechte Wetter nichts anhaben kann», sagte Bieri und sein Vize teilte die Teilnehmenden in drei Gruppen ein.

Waffensammlung und Informationen zum Kalten Krieg

Im ehemaligen Führungsraum des Kommandobunkers Weinfelden westlich der Burg begrüsste Vizepräsident Urs Ehrbar die Teilnehmenden. Der Ausbau zur  zweistöckigen Führungsanlage erfolgte in den Jahren 1963-1967.  Der KP Weinfelden im heutigen Zustand ist also der „KP des Kalten Krieges“. Der kurze Info-Block im Führungsraum war daher ein Rückblick auf die Zeit zwischen 1947 und dem Fall der Berliner Mauer 1989. «Meine Generation rechnete nicht damit, dass wir den Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands sowie das Ende der Spaltung Europas erleben würden», sagt Ehrbar und zeigte unter anderem die Einsatzdispositive der Felddivision 7 sowie der Grenzbrigade 7 aus dieser Zeitepoche. Im Kommandobunker ist seit über zwei Jahren die Waffensammlung des verstorbenen Walter Minder aus Weinfelden untergebracht. Walter Minder hat einen Teil seines Vermögens in seine grosse Leidenschaft, die Waffen, investiert. Nach langwierigen Verhandlungen gelang es dem Verein Festungsgürtel Kreuzlingen, die ganze Sammlung zu übernehmen, die jetzt in sechs Räumen im KP Weinfelden zu sehen ist.

 

Munitionsdepot Eschikofen

Mit zwei Pinzgauern und den bereitstehenden  sieben Jeeps des Jeep-Vereins Switzerland gelangten die Teilnehmer zum Munitionsdepot Eschikofen, wo Armin Eugster mit Informationen über die einstige und heutige Funktion des Gebäudes aufwartete. «Dieses Depot wurde in den Siebzigerjahren gebaut und hier hätte das Infanterie  Regiment 31 im Kriegsfall seine Munition gefasst», erklärt Eugster. Wo früher tonnenweise verschiedene Munitionssorten gelagert wurden, können seit vergangenem Jahr der Zivilschutz im Untergeschoss und der Verein Festungsgürtel Kreuzlingen im Obergeschoss das  Material und verschiedene schwere Waffen einlagern. Die älteste davon eine Feldkanone 1933, aber auch zwei 9 cm Pak 57 mit dem gebogenen Schild.

 

Richtstrahlstation

Heinz Kernen, heute noch begeisterter Amateurfunker, empfing die Interessierten im ASU F7714, der Funk- und Richtstrahlstation. «Diese Anlage konnte vom Brigade - KP  aus gesteuert werden und hatte die Aufgabe, über Telefon oder Funk die Verbindungen zur vorgesetzten Kommandostelle sicherzustellen», erklärt Kernen. Durch den vom KP räumlich abgesetzten Standort der Richtstrahlstation wurde der Kommandobunker elektronisch nicht verraten. Er war zudem durch den Ottenberg und den Seerücken abgeschirmt. Kernen kann heute von diesem Ort aus mit seiner privat eingerichteten Funkstation, mit Ausnahme von Neuseeland, sämtliche Länder und Kontinente anpeilen.

 

Mittagessen im Festzelt „ Hau“

Gegen 1230 trafen die drei Detachemente wieder im Hau ein, wo alle ein vorzügliches Mittagessen geniessen konnten, das Max Kunz mit seiner Küchenmannschaft im Verlaufe des Morgens zubereitet hatte. Auch Kuchen und Kaffee zum Dessert fanden sehr guten Anklang. Damit fand die informative Bunkerwanderung 2017, die vom Regen weitgehend verschont wurde, ihren gemütlichen Abschluss bei Speis und Trank im Festzelt der Schützengesellschaft Weinfelden im Hau.

Werner Lenzin

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